Alien: Fluss des Todes

ALIEN – ein Franchise, das gleichsam für zeitlose Filmklassiker UND übelsten Schund steht. Im Laufe von mittlerweile fast 40 Jahren hat sich die fremdartige Horrorikone durch bislang acht Filme, sowie unzählige Comics, Bücher und Crossover gebissen. Deutschsprachige Hörbuch- und Hörspielfreunde blieben bis vor Kurzem eher aussen vor.

Bis Audible auf die Idee kam, sich die kanonische Romantrilogie vorzunehmen, die jeweils Einzelabenteuer erzählte, die aber mit und zwischen den ersten Filmen spielen. Inklusive Sigourney Weavers Heroine Lt. Ellen Ripley.

=== Inhaltsangabe des Verlags ===

»Als Ripley nach Jahrhunderten im All endlich zur Erde zurückkehrt, muss sie erfahren, dass die Menschen gerade dabei sind, den Planeten Acheron zu kolonisieren. Geschützt durch koloniale Marines, und betreut von einigen Weyland-Yutani Wissenschaftlern, versucht eine Gruppe von Koloniearbeitern, den lebensfeindlichen Bedingungen auf Acheron zu trotzen und ihn mittels Terraforming bewohnbar zu machen. Darunter auch das Ehepaar Jordan, dessen kleine Tochter Newt das erste Kind ist, das auf dem neuen Planeten zur Welt kommt.

Was sie nicht wissen: Acheron – besser bekannt als LV 426 – ist genau der Planet, auf dem die Crew der Nostromo dem Xenomorphen damals zum allerersten Mal begegneten – also jener tödlichen Kreatur, die als Alien in die Geschichte einging. Während Ripley also zweifelhaft versucht, die Verantwortlichen auf der Erde zum Handeln zu zwingen, bricht auf Acheron ein Team aus Kolonisten zu einer Expedition auf – nicht ahnend, in welch tödliche Gefahr sie sich begeben…«

Es sprechen:
Karin Buchholz, Simon Jäger, Tanja Geke, David Nathan, Sabine Arnhold, Till Hagen, Martin Kautz, Bodo Wolf und (verdammt) viele andere.

Coverillustration des Hörspiel „ALIEN: Fluss des Todes“, obs/Audible GmbH/Audible GmbH/20TH CENTURY FOX
Quelle: obs/Audible GmbH/Audible GmbH/20TH CENTURY FOX

 

=== Meine Meinung ===
Der Erstling, „Alien: In den Schatten“, unter der Regie von Hauke Hilberg hat mich leider wenig überzeugen können. Eine detaillierte Rezension reiche ich noch nach. Daher nur kurz meine Hauptprobleme mit der ersten Produktion: Die Abmischung der Effektspur/en ist im Zusammenspiel mit den Sprachspuren viel, viel zu leise. Wenn sich ein Alien von hinten, der Seite oder von oben an seine Beute anschleicht und im letzten Moment bemerkt wird, wirkt das Fauchen der Viecher als sei irgendwo 100 Meter weit entfernt ein kleines Kätzchen sauer. Explosionen, die nur wenige Meter entfernt stattfinden, verkommen zu einem erschreckend leisen und schwachen „Bümschen“. Und ganz allgemein ist die deutsche Effektspur, die eigentlich durch die Übernahme der englischen Effektspur identisch sein müsste, erschreckend blass. So wirken viele eigentlich atmosphärisch einfach zu bedienende Szenen, etwa mit Triebwerggewummer an Bord des Raumkreuzers, schlicht irritierend.

Und selbst wenn man die technischen Aspekte außer Acht lässt, spielen die in diesem Fall Synchronschauspieler, darunter Größen wie Dietmar Wunder, Karin Buchholz und Bernd Vollbrecht mehr auf Nummer sicher, als dass sie die Figuren an ihre emotionalen Grenzen treiben – was für mich aber eher auf den Punkt Regie zurückzuführen ist, denn (nicht nur die genannten) Sprecher und Schauspieler sind ja nicht wegen austauschbarer Leistungen bekannt, sondern weil sie verdammt gut sind.

Zudem gestaltete sich die Geschichte aus der Feder von Tim Lebbon als oftmals recht zähe Angelegenheit, die zudem durch das Einwerfen bekannter Dialogzitate oder Szenen aus dem ersten Film „Fanservice“ zu leisten, die Kontinuität torpedierte, die man aber durch das Einbinden der Bücher/Hörspiele in den Original-Alienkanon erreichen wollte.

Teil 2 – Ein Schritt in die richtige Richtung

Der zweite Teil, „Alien: Fluss des Todes“, entstand unter der Regie von Simon Bertling und Christian Hagitte (Studio STIL). Und auch wenn ich nach wie vor den künstlerischen Sinn hinter einfacher Hörspiel-Synchronisation nicht verstehe (ja, ich weiß: Kostenersparnis, aber das ist kein künstlerischer Aspekt), macht „Alien: Fluss des Todes“ doch sehr, sehr viel mehr richtig. Zum einen ist die Problematik mit der Abmischung oder dem Pegel deutlich verbessert worden. Es gibt zwar immer noch einige Szenen, in denen ich dachte, „Huch, da sollte doch jetzt eigentlich ein halbes Dach eines Atmosphärenumwandlers durch eine Explosion weggerissen worden sein?“, insgesamt aber kommen die Effekte, bei denen sich die UK-Produktion unter Dirk Maggs des offiziellen Fox-Archivs bedienen durfte, diesmal deutlich besser zur Geltung und insbesondere in der zweiten Hälfte kommt dann auch tatsächlich (und endlich) die Stimmung auf, die man aus den Filmen kennt, besonders natürlich des parallel spielenden zweiten Films von James Cameron.

Auch beim Spiel haben Bertling und Hagitte deutlich mehr aus ihren Sprechern herausgeholt. Insbesondere Karin Buchholz könnte ich hier regelrecht abfeiern – auch wenn Ripley hier „nur“ eine Nebenrolle hat. Richtig gefreut habe ich mich auch über Martin Kautz in der Rolle des ruppigen Sgt. Draper – ob gewollt oder nicht: Natürlich hatte ich hier direkt Jon Bernthal vor Augen und Kautz verleiht der Figur genau die rotzig-coole Art, die solche Charaktere brauchen. Für mich einer der wenigen jüngeren Sprecher, der tatsächlich an die raue Coolness eines Klaus Kindler in seinen besten Eastwood-Zeiten herankommt.

Das einzig wirklich gewichtige Manko des Hörspiels ist für mich die ambivalente Dramaturgie. Es dauert unglaublich lange, bis die Handlung Fahrt aufnimmt. Das mag beim ersten Hören noch einigermaßen akzeptabel sein, hat bei mir allerdings dafür gesorgt, dass ich problemlos auch mal ein paar Tage oder eine Woche pausieren konnte. Nach den ersten zwei Stunden hingegen ändert sich dies schlagartig, denn dann bekommt man tatsächlich genau das, was man mit dem Namen „Alien(s)“ in Verbindung bringt: Eine unglaublich dramatische Melange aus Spannung, Horror und Action.

Fazit & tl;dr:

„Alien: Fluss des Todes“ ist somit für mich in allen Belangen besser als „In den Schatten“, sowohl technisch, als auch vom Spiel her. In den Bereich „sehr gut“ möchte ich die Produktion dennoch nicht einreihen, dafür ist die Dramaturgie der Geschichte zu unausgewogen und trotz der starken Verbesserungen gegenüber des Erstlings, gibt es auch hier immer noch ein paar Baustellen im technischen Bereich, die, wie ich vermute, eher in der Unart der Hörspiel-Synchronisation wurzeln, die sich hoffentlich nicht auf Dauer als Produktionsstandard durchsetzen wird; das Hörspiel als Kunstform lebt von der Bildfreiheit, die somit den Schauspielern und Sprechern, sowie den Dramaturgen, Regisseuren, Tonmeistern etc. sämtliche (zeitliche) Freiheit bei der Inszenierung bietet – sich lizenzierten Effektspuren zu unterwerfen, das halte ich für wenig sinnvoll, zumal ich in dieser Richtung auch noch keine rundum überzeugende Produktion gehört habe, wie „Alien: In den Schatten“ oder auch die Hörspiele zu „The Walking Dead“ gezeigt haben.

Für Fans der Filme, insbesondere natürlich von James Camerons „Aliens“, ist die Produktion definitiv empfehlenswert. Ob ich sie allerdings noch ein zweites Mal hören werde, ist ob der genannten Punkte eher unwahrscheinlich. Zumal mit SciFi-Produktionen wie „Mark Brandis“ oder „Heliosphere 2265“ gezeigt wird, wie opulent Science Fiction mit Actioneinlagen nicht erst seit ein paar Monaten klingen können.

=== Trailer: === 
https://youtu.be/GMD2TMEnfSk

=== Hörspiel und Infos bei Audible: ===
https://www.audible.de/pd/Science-Fiction/ALIEN-Fluss-des-Todes-Die-komplette-2-Staffel-Hoerbuch/B075GW3L9P/