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Hörspielverbote pädagogisch sinnvoll?

Es ist selten geworden, daß mir im Bezug auf das Thema Hörspiele der Kragen platzt. Heute war es leider wieder soweit. Ich stolperte über eine Erziehungsfrage, die in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung Platz auf satten drei Seiten stattfand (Seite 1, Seite 2, Seite 3). Diese Erziehungsfrage lautete:

Meine Tochter (6) hört gerne Hörspiele, gerade bei Regen stunden- und sogar tagelang. Ich biete meinen Kindern viele Spiele und einen Garten, sie hingegen würde am liebsten nur herumlümmeln. Soll ich es mit Hörspielen ähnlich handhaben wie mit Fernsehen, das es bei uns nur einmal in der Woche gibt? Schließlich ist sie gerade in die Schule gekommen.

Kindern Hörspiele verbieten? Was zum…?! – Liebe Leute, bei solchen Fragen überkommt mich reine Wut (bitte beachten: Wut ist kein Synonym für Hass; Wut will verändern, in diesem Fall dieses -für mich- kleingeistige Denken, das scheinbar immer noch durch die Köpfe nicht gerade weniger Erziehungsberechtigter geistert – Hass hingegen will zerstören, und deshalb machen mich solche Personen auch „nur“ wütend).

Gleichsam stellt sich mir wieder einmal die Frage: Wie kann man es endlich schaffen, das Medium Hörspiel aus dieser (bewussten?) Missverständnisecke zu holen? (Ja, ich weiß: Zumindest in den nächsten 357 Jahren wird nichts passieren, bzw. akzeptiert werden…)

Mir scheint es wirklich ein Teufelskreis zu sein: Entweder werden Hörspiele bei vielen Erwachsenen und Erziehungsberechtigten „nur“ als Kinderkram wahrgenommen und Personen, die sich mit einem Alter größer 14/15 Jahren noch Hörspiele anhören, als infantile Vollpfosten abgestempelt. Oder, wenn sich dann tatsächlich Kinder damit befassen, mutieren sie auf einmal zum verbotsträchtigen Kinderverderben. So oder so scheint das verbreitete Motto im Erwachsenenbereich: Hörspiele sind entweder böse (für Kinder) oder nur für infantile Ü-30er.

Ich persönlich liebe und höre Hörspiele seit über 35 Jahren.
Jeden.
Einzelnen.
Tag.

Und weder ist das Hörspiel an sich „alberner Kinderkram“ (ein Blick auf die Genrevielfalt des deutschen Hörspiels an sich genügt, egal ob öffentlich-rechtliche Radioproduktion oder kommerzielles Hörspiel), noch ist es das Quasiäquivalent zu Crystal Meth oder Heroin, oder der „Satan“, vor dem man Kinder schützen müsse, weil sie sonst vielleicht nicht mit 5 Jahren fließend chinesisch, griechisch, spanisch, englisch und französisch sprechen können und nur 3 statt 9 Tanzstunden pro Woche wahrnehmen können etc. pp.

Mir scheint es im Fall dieser Mutter ein künstlich geschaffenes Feindbild zu sein, daß beim Helikoptern stört, weil man ein paar Stunden sein Kind an eine andere Welt „verliert“ – und da das in der reellen Welt zunehmend verpönt zu sein scheint, ist es -denke ich mir- erst recht bei imaginären Welten mit Argwohn zu sehen, weil man dort nicht mal weiß, wie diese Welten aussehen. Soll hier der eigenen „Kontrollverlust“ durch ein Verbot von Dingen, die Kinder mögen, kompensiert werden? Oder ist es nur wieder der Klassiker „diese komischen Medien verderben die Kinder“, der seit Jahrzehnten bemüht wird, um „neue Medien“ erst mal zu verteufeln?

Was meint ihr?
Lasst euch gern mal in den Kommentaren aus!

Titelbild © geralt / pixabay.com

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