Macabros (1): Der Fluch der Druidin

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Produktionsinformationen

Produktions-Crew

Buch: Charly Graul (Douglas Welbat, Katja Brügger, Bertram von Boxberg)
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik & Effekte: Tonstudio EUROPA
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Andreas Beurmann

©+℗ 1983/2000 BMG Ariola Miller GmbH & Co. KG
Erstveröffentlichung: 1983
Widerveröffentlichung (“Rückkehr der Klassiker”): 2000

Inhaltsangabe des Verlags

Nyreen Matobish findet eine geheimnisvolle Gruft. Darin soll vor dreihundert Jahren eine Druidin beigesetzt worden sein. Nyreen ist schockiert, als sie ein uraltes Bild entdeckt, auf dem sie selbst vor dreihundert Jahren abgebildet ist. Und da ist noch ein Spiegel – mit ihm lässt sich ein Tor in eine andere unheimliche Welt aufstoßen. Björn Hellmark, der Mann, der zum zweiten Mal lebt, interessiert sich für diesen Spiegel und seine phantastische Reise in ein Wunderland begint…

Meine Meinung:

Macabros dürfte dem Großteil der “Kassettenkinder” als kultige Melange aus Fantasy, Horror und einem ganz eigenen Humor in Erinnerung sein. Verdient, wie ich finde. Doch daß dabei gerade die EUROPA-Fassungen derart positiv und nachhaltig im Kollektivgedächtnis der Hörspielfans verankert sind, liegt nicht zwingend an den Vorlagen.

Die erzählte Geschichte an sich ist nämlich nicht nur aus heutiger Sicht recht unspektakulär. Ja, Hellmark kann sich nach seinem Nahtod verdoppeln. Eine Prise Fantasy gibt es auch. Doch was die Hörspiele wirklich nach vorn brachte und zu den Kultobjekten machte, die sie heute sind, war das, was das Team “Charly Graul” aus den Vorlagen machte. Statt eine stumpfe 1:1-Umsetzung vom Stapel zu lassen, hat man aus der Geschichte etwas komplett eigenes gemacht. Garniert mit einigen für damalige Verhältnisse heftigen Goreszenen, dazu mit fast schon (bewusst) übertriebenem Pathos inszenierte Fantasymomente und ein extrem schräger Humor, der bis heute *das* Markenzeichen der Hörspielserie ist. Und maßgeblich dafür Verantwortung trägt, daß das Prädikat “einzigartig” hier absolut gerechtfertigt ist. Hier wurde aus einem tatsächlichen und im wahrsten Sinne des Wortes Groschenroman eine im positiven Sinne völlig irre Geisterbahnfahrt geschaffen, die die guten Elemente der Vorlage übernahm und daraus eine überdrehte und absolut coole Variante machte.

Die Sprecherliste liest sich wie ein Stelldichein der bekanntesten EUROPA-Stimmen der 80er: Douglas Welbat, Katja Brügger, Gottfried Kramer, Rüdiger Schulzki, Gisela Trowe, Günter König, Wolfgang Draeger, Lutz Mackensy, Ferdinand Dux, Rolf Jülich, Michael Harck, Franz-Josef Steffens, Helmut Ahner, Renate Pichler und so weiter. Die Befürchtung, daß große Namen noch lange keine gute Leistung bedeuten, kann man hier zerstreuen. Hier wird eine regelrechte Sprecherparty zelebriert. Alle, durchweg alle bringen hier hörbare Spiellaune mit, vom positiv Gänsehaut erzeugenden Nahkitsch-Pathos der Priester von Xantilon und Cantacor über die schon legendäre, nonchalante und selbstironische Art Björn Hellmarks hin zur bewusst massiv übersteigerten Druidin Kiuna McGullygosh und dem bösen, bösen Molochos.
Daß die bewusste Larger-Than-Life Mentalität die Glaubwürdigkeit der Figuren innerhalb ihrer fiktiven Realität nicht torpediert, liegt vor allem auch an der bis heute unübertroffenen Art, wie Günter König hier als Erzähler agiert.

Musik und Effekte tragen nicht nur ihr Scherflein zum Gesamtwerk bei, sie sind sogar essentiell. Die durchaus mystische Atmosphäre wird hier wunderbar eingefangen, pendelt zwischen pompösen Orchesterstücken und für damalige Verhältnisse fast schon avantgardistischen und bedrohlichen Synthklängen. Die hausgemachten Geräuscheffekte bieten zudem einen schönen Realismus – einzig dem gierigen “Blutschlürfen” der titelgebenden Druidin muss man das die Buchstabenkombination “WTF” ausstellen.

Als Fazit bleibt für mich ein auch nach über 30 Jahren immer noch unglaublich starkes Hörspiel, das als leuchtendes Beispiel dafür gelten kann, daß Literaturvertonungen nicht zwingend zu (langweiligen) sklavischen 1:1-Abbildern verkommen müssen, sondern daß auch schwache Vorlagen durch ein extrem kreatives Team nicht nur massiv aufgewertet, sondern tatsächlich Kult werden können. Verdienter Kult zudem.

Diese Rezension wurde für die Playtaste Ausgabe 06 verfasst.

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