Wer sich in den letzten Monaten gewundert hat, weshalb bei einem großen Streamingdienst Schauspieler oder Animationsfiguren plötzlich eine andere Stimme bekamen, wird vielleicht mitbekommen haben, dass das Thema KI nun leider auch in der Synchronbranche angekommen ist. Für eine weitere Zusammenarbeit, bzw. Buchungen sollen die Sprecherinnen und Sprecher einen Vertrag unterzeichnen, der es ohne Kompensation ermöglicht, dass ihre Stimmen zum Training von KI genutzt werden darf. Nicht, um 1:1-Klone anzulegen, sondern „nur“ zum Training von Nuancen etc. Das Ergebnis kann jedoch identisch sein: Die Sprecherinnen und Sprecher müssen einwilligen, sich früher oder später selbst überflüssig zu machen.
Petition des Verbands Deutscher Sprecher:innen
Dagegen hat der VDS, der Verband Deutscher Sprecher:innen, eine Petition angelegt:
»Schützt die Kunst vor KI – #DeineStimmeFürEchteStimmen« läuft noch bis 30. November 2026 und hat ein Sammelziel von 255.000 Stimmen.
Derzeit sind bereits 250.201 Unterschriften eingegangen (Stand 10.06.2026, 16:51 Uhr) und wenn dir der Fortbestand von menschlicher Synchronarbeit am Herzen liegt, kannst auch du gern unterzeichnen:
https://www.openpetition.de/petition/online/schuetzt-die-kunst-vor-ki-deinestimmefuerechtestimmen
Kein „Pamphlet technikfeindlicher Menschen“
Wichtig ist zu verstehen, dass es sich keineswegs um ein „Pamphlet technikfeindlicher Menschen“ handelt. In der Begründung, die unter dem obigen Link zu lesen ist, wird sehr klar dargelegt, worum es genau geht.
Weshalb mir die Petition am Herzen liegt
Ich selbst habe bereits vor gut einem Jahr unterzeichnet und meinen Kommentar dazu abgegeben:
Synchronisation ist eine Kunstform, die in Deutschland wie in kaum einem anderen Land perfektioniert wurde. Von Menschen, die Emotionen nicht nur verstehen und replizieren, sondern den echten menschlichen Faktor dabei einbringen. Das können LLMs nicht, was in der Natur der Sache begründet liegt.
Und selbst falls, was ich nicht glaube, es einst ein LLM geben, das tatsächlich die „perfekte Simulation“ zu schaffen vermag, lehnte ich diese ab. Denn es ist für mich nicht der Punkt, ob KI irgendwann mal „nicht von echter Stimme zu unterscheiden ist“, sondern OB es eine KI ist. Da (Schau-)Spiel nur über den menschlichen Teil funktioniert, werde ich KI als „Ersatz“ immer ablehnen.
Kurz: Selbst, falls es irgendwann nicht mehr zu unterscheiden sein sollte, möchte ich Menschen mit echtem Spiel hinter den Charakteren wissen – und kein seelenloses Konstrukt, das aus (geklauten) Datenbausteinen eine Illusion von Stimme erschafft, die ähnlich funktioniert und „begeistert“ wie in John Carpenters „The Thing“ das titelgebende Ding beim Nachahmen von Menschen.



